IMG 1761 595x221 - Was ist Multiple Sklerose?

Was ist Multiple Sklerose?

Oft habe ich von Nichtbetroffenen auf meine Antwort, was ich denn habe, gehört: Ah, das ist doch dieser Muskelschwund oder diese Knochenkrankheit oder soetwas. Meistens habe ich auch gar nichts mehr dazu gesagt, da ich oft bei meinem „Outcoming“ ungefragt, unzählige Weisheiten und Überlebensstrategien über den Umgang mit meiner Krankheit bekommen habe. Das war zwar in der Regel extrem nett und nur gut gemeint. Aber ich konnte es zeitweise nicht mehr hören, dass die Schwester, eines Bekannten, die Cousine vom Nachbar des Bruders kennt und die hat MS. Sie sitzt zwar im Rollstuhl, ist aber echt fröhlich, wirklich. Sehr aufbauend und kompetent. Ich habe hier für alle, die sich in aller Kürze und Würze informieren möchten, eine sehr kurze Zusammenfassung über die Krankheit der 1000 Gesichter.

Die Multiple Sklerose (MS) auch Encephalomyelitis disseminata (ED) genannt, ist eine chronisch, entzündliche Erkrankung des Nervensystems.

Sie gehört zur Gruppe der Auto-Immunerkrankungen. Entzündungsherde treten dabei an unterschiedlich vielen Orten auf und können zur Narbenbildung (Sklerose) führen. MS ist nicht heilbar, kann aber behandelt werden. Die Erkrankung verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich, was auch eine Diagnose und individuelle Behandlung sehr erschwert. MS wird auch die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern genannt.

Was passiert, wo?

Das Gehirn stellt mit Milliarden von Nervenzellen eine Art Schaltzentrale dar, von der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden. Die Signale werden von den Nervenfasern weitergeleitet, die ähnlich wie elektrische Kabel mit einer Isolierschicht, Myelin, umhüllt sind. Eine von Myelin umhüllte Nervenfaser kann einen Impuls etwa zehnmal schneller weiterleiten als eine, der das Myelin fehlt. MS schädigt in den Entzündungsherden diese Isolierschicht und behindert damit die reibungslose und schnelle Weiterleitung der Signale. Je nachdem, welche Nervenfasern betroffen sind, treten unterschiedlichste Beschwerden und Behinderungen auf – von Sehstörungen, Empfindungsstörungen an den verschiedensten Körperteilen, Gleichgewichtsprobleme mit gestörter Koordination, Blasenschwäche, kognitive Störungen, Fatique, Depressionen und wirklich viele andere. MS führt aber nicht zwangsläufig in den Rollstuhl und in die Pflegestufe.
Die genaue Ursache für MS ist nicht bekannt.

Verlaufsformen

Es gibt 3 Verlaufsformen:

1. Schubförmiger Verlauf: unregelmäßiges Auftreten von bestimmten neurologischen Symptomen, welche sich wieder vollständig oder unvollständig zurückbilden.

2. Sekundär chronisch-progredienter Verlauf: Es kommt zu einigen Schüben, nach denen sich die Beschwerden ganz oder zu einem Großteil wieder zurückbilden. Im späteren Verlauf der Krankheit verschlimmern sich die Beschwerden jedoch zunehmend. Bei einigen MS-Patienten verschlechtern sich die Symptome dann schubweise. Experten bezeichnen diesen Multiple Sklerose-Verlauf als “schubförmig progredient”. Bei anderen Patienten nehmen die Beschwerden immer mehr zu und es lassen sich keine Schübe abgrenzen.

3. Primär chronisch-progredienter Verlauf: Bei diesem Multiple Sklerose-Verlauf treten keine Schübe auf. Die Beschwerden werden von Anfang an immer schlimmer, sie entwickeln sich chronisch-progredient. Wie schnell die Krankheit fortschreitet, ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

 

Therapien

Schulmedizinisch basiert die Therapie der MS auf mehreren Säulen

  • Behandlung des Schubes durch eine Kortison- Stoßtherapie.
    Der aktuelle Schub wird mir hohen Kortisongaben behandelt. Das passiert in der Regel an 3-5 aneinander folgenden Tagen. Meistens in 500- 2000 mg Kortisoninfusionen. Wenn die Schubsituation dadurch nicht deeskaliert werden kann, können diese Infusionen nach 2- 4 Wochen wiederholt werden. Sie sind allerdings höchst belastend für Körper und Psyche des Patienten.
    Bei sehr schweren Schüben, die auf Kortison nicht oder nur unzureichend ansprechen, werden als akute Eskalationstherapie eine mehrmalige Blutwäsche (Plasmapherese) durchgeführt.
  • Symptomatische Therapien
    Im Laufe einer MS-Erkrankung können sich verschiedenste Symptome entwickeln, sowie physisch, als auch psychisch. Diese kann man auf verschiedene Arten therapieren, sowohl medikamentös oder nichtmedikamentös.Die medikamentösen Therapien unterscheiden sich natürlich von Symptom zu Symptom.Zu den nichtmedikamentösen Therapiemöglichkeiten zählen z.B. Pflegemaßnahmen, Bewegungs-, Physio, Ergo-, Sprech- und Schlucktherapie, Hilfsmittelversorgung, Beratung und Psychotherapie.
  • Basis- oder Immunmodulatorische Basistherapie
    Im Gegensatz zur akuten Schubtherapie, in der es darum geht, den akuten Schub zu behandeln, geht es bei der Basistherapie darum, die Häufigkeit und Schwere der Schübe medikamentös zu verringern. Darüber berät euch aber besser der Neurologe eures Vertrauens!

 

 

Wenn ihr mehr und detailliertere Informationen zum Thema Multiple Sklerose haben wollt, solltet ihr  zum Beispiel auf die Seite der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft http://www.dmsg.de oder der Baden-Württembergischen Multiple Sklerose Gesellschaft http://www.amsel.de gehen.

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