IMG 1775 960x356 - Kortison, Fluch und Segen

Kortison, Fluch und Segen zugleich!

Kortison, irgendwann begegnet es jedem MS- Patienten, Menschen mit anderen Auto- Immundefekten kennen es auch. Spätestens wenn mal wieder Schubzeit angesagt ist, gibt es hoch dosierte Kortisongaben, nett umschrieben. Das bedeutet man bekommt über mehrere Tage, jeden Tag eine Infusion aus Kochsalzlösung mit Kortison (zwischen 500 bis 2000 mg). Diese Mixtur soll schnellst möglich helfen, die Entzündungsherde, welche den Schub ausgelöst haben, zu beruhigen und abzustellen. Wie bei den meisten Therapien, gibt es auch hier ein Gruppe, welche die Wirkung in Zweifel zieht. Mir haben die Infusionen meistens relativ gut geholfen, über eventuelle Folgeschäden kann ich natürlich nichts sagen. Das wird die Zeit zeigen. Hier möchte ich gerne meine Erfahrungen mit Euch teilen. Vielleicht bleibt ja dem Einen oder Anderen eine negative Erfahrung erspart.

Was ist ist Kortison?

Kortison wird meist als Methylprednisolon verabreicht, bekannt unter dem Namen Urbason. Das ist ein künstlich hergestelltes Glukokortikoid. Normalerweise stellt die Nebennierenrinde die Kortikoide im menschlichen Körper her. Dieses geschieht in den frühen Morgenstunden.

Wann soll es eingenommen werden- Zeitpunkt?

Deshalb sollten die Infusionen am besten zwischen 5.00 h und 8.00 h verabreicht werden. Dann hat die körpereigene Produktion die Möglichkeit, die Produktion auf die Zugabe einzustellen. Ich habe aber auch schon spät am Nachmittag oder abends die Infusion bekommen. Das sollte aber nur in Aussnahmen passieren. Denn Kortison ist ein Stresshormon, es macht wach, unruhig, schlaflos. Ohne Schlafmittel ist es mir in dieser Zeit unmöglich etwas zu schlafen.  Nach dem 2. Infusionstag fühle ich mich meist wie ein Zombie.

Nebeneffekte

Magen- Darm Trakt

Zudem schlägt es zuweilen auf den Magen- Darmtrakt, so dass es manchmal sicherer ist, zusätzlich den Magen mit einem Magensäure hemmenden Medikament zu schützen. Fragt Euren Arzt oder Apotheker! Zudem macht Kortison den Darm träge und es kann zu Verstopfungen kommen. Ich esse in der Zeit sehr, sehr leichte Speisen, wie Suppe, Salat, Gemüse und Fisch. In der Regel lebe ich in der Zeit vegetarisch und sehr diszipliniert asketisch. Da ich ganz besonders in dieser Zeit, keine Lust auf selbstgemachte Probleme habe!

Entzündungen und Infektionen

Bei mir haben die starken Kortisondosen regelmäßig zu Mundsoor und anderen Schleimhautentzündungen geführt. Dieses wird durch den Genuss von zuckerhaltigen Speisen gefördert. Also wenig, besser gar keine Süssigkeiten während der Stosstherapie und noch eine zeitlang danach. Auch in Obst ist Zucker und Säure!

Zucker/ Diabetesgefahr!

Apropos Zucker. Da die Leber bei hohem Kortisonspiegel, vermehrt in der Leber Glucose herstellt, steigt auch der Blutzucker. Bei zusätzlichem Zuckerkonsum kann er ins Unermessliche steigen und man einen temporären Diabetes Mellitus bekommen. Deshalb wird bei stationärer Stosstherapie auch regelmäßig der Blutzuckerspiegel gemessen.

Ähnliches passiert auch beim Konsum von zu vielen Kohlenhydraten. Die können innerhalb von kurzer Zeit den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. 

Fresskick

Kennt Ihr das auch? Bei mir schalten die Kortisonbomben jegliches!!! Sättigungsgefühl aus. Ich könnte wirklich fressen, ohne Punkt und Komma. Da hilft es nur, den Kopf einschalten und vor und während der Mahlzeiten sich klarzumachen , was der Körper wirklich braucht.

Knochen

Kortison entzieht den Knochen Calcium, Cola, durch die Phosphorsäure, ebenfalls, das nur nebenbei. Das kann bei regelmäßigem, hochdosierten Gebrauch Osteoporose begünstigen oder verursachen. Deshalb sollte man regelmäßig die Knochendichte messen lassen. Um diesen Problemen vorzubeugen,  esse ich während der Kortisontherapie calziumhaltige Lebensmittel. Dazu zählen viel grünes Gemüse, fettarme Milchprodukte, Fisch und Vollkornprodukte, die aber in Maßen. 

Kortison und Alkohol

Diese Kombination ist für mich ein absolutes No Go. Die Beiden vertragen sich aus verschiedensten Gründen überhaupt nicht. 

Mondgesicht/ exogenes Cushing- Syndrom

Bereits am 2. Tag einer Stosstherapie fallen mir Veränderungen an meinem Körper, ganz speziell im Gesicht auf. Mein Gesicht wird runder, bis hin zu einem echten Vollmondgesicht. Man hat das Gefühl die Fettzellen im ganzen Körper wachsen und das Gewicht wächst. Wenn man aber auf seine Ernährung achtet und sich sich regelmäßig bewegt, verschwindet es auch wieder nach einiger Zeit.

Steroid Akne

Durch mein Pubertät bin ich, glücklicherweise, ohne große Pickelattacken oder sonstige Hautprobleme gekommen. Das hat sich, seit der Erkrankung, geändert. Ich bekomme, oft schon während der Stosstherapie, verstärkt im Gesicht, aber auch am Oberkörper fiese, kleine Pickel. Das dauert dann auch ein Weile an, ich denke, bis der letzte Rest der Kortisonüberdosis abgebaut ist. Da ich es weiß und ich mich vom Jahrmarkt der Übereitelkeit verabschiedet habe, kann ich damit gelassen umgehen.