IMG 1798 960x503 - Behinderung, Rollstuhl und Co

Behinderung, Rollstuhl und Co

Mit die ersten Fragen nach der Diagnosestellung betrafen das Thema Behinderung, Rollstuhl und Co. Natürlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur rudimentäre, besser gar keine Kenntnisse über MS. Diese Fragen kann nur die Zeit beantworten und eventuell ein erfahrener MS – Neurologe.

Wichtiger, als die Unversehrtheit der Beine oder Arme oder anderer Funktionskörperteile, ist die Unversehrtheit des Geistes und der Fantasie und die Fähigkeit des Loslassen von falschen Eitelkeiten!

Selbstverständlich stigmatisiert der Rollator oder Rollstuhl einen als behindert oder neudeutsch, gehandicapt. Natürlich wird man bei Nachbarn, Freunden, Bekannten oder bei den Schandmäulern, welche es überall gibt, zum Gesprächsthema! Das ist halt so und wird sich auch irgendwann legen. Wichtig und entscheidend ist, daß man die Menschen aufklärt, offen mit Ihnen, ohne Vortragsähnlich zu monologisieren, redet, oder es auch lässt.

Behindert? Eine Frage der Definition!

Ein Rollstuhl oder ein Rollator sind nicht behindernd. Sie bedeuten mir ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit, Wege zu gehen bzw. zu rollen, welche sonst von mir nicht begangen worden wären. Mein Rollstuhl hat mir zeitweise ermöglicht, an Momenten und Erlebnissen teilzunehmen, die mir ohne ihn verwehrt geblieben wären. Auch ich musste über einen sehr großen eigenen Schatten springen und von meiner Frau und meinen Kindern in den Rolli geschupst werden, um es selbst wirklich zu verstehen. Danke Ihr Lieben!!! 

Apropos Familie, ich hatte die größten Hemmungen mich vor meinen Kindern in den Rollstuhl zu setzen und ihn zu benutzen. Der große, starke Papa, jetzt nur noch halb so hoch, sitzend und von den Jungs bemitleidet. So sah mein Lebenstraum bestimmt nicht aus. Doch es kommt anders als man denkt! Die Jungs freuten sich einfach nur, dass ich wieder unter ihnen war, ob laufend, rollend oder was auch immer, spielte zuerst gar keine Rolle und den Rest habe ich Ihnen erklärt.

Wichtig ist das richtige Modell!

Allerdings war mein wichtigstes Erlebnis , welches die Hemmungen fallen ließ, meine erste Reha. Ich durfte in Bad Wildbad im Quellenhof, an einem verordneten Rollstuhltraining teilnehmen. Dabe lernte ich auch verschiedene Dauerrollifahrer kennen und schätzen. Ich fuhr mehrere Tage mit ihnen im Rolli durch die Stadt, spielte mit Rolli- Basketball und führte stundenlange, sehr offene Gespräche. Da ich recht groß bin und es im Bedarfsfall schwierig hätte sein können, mir einen passenden Rollstuhl auf die Schnelle zu besorgen, wurde mir ein Rollstuhl verordnet. Ich bekam mehrere excellente Beratungen durch Florian Schlegel, den dortigen Fachberater und Rollitrainer. Er nahm meine Maße und kreierte mit mir einen auf mich und meine Bedürfnisse angepassten Rollstuhl. Dieser hat mir schon sehr gute Dienste geleistet. An guten Tagen steht er auf dem Dachboden und an den Schlechteren wird er eben runtergeholt, die Reifen aufgepumpt und sich reingesetzt.

Ich will hier auch nichts beschönigen, was ohne Zweifel nicht schön ist. Auch bei mir hat die MS, körperlich und auch seelisch ihre Spuren hinterlassen. Ich habe dabei festgestellt, dass die größte Behinderung im Kopf beginnt, indem ich anfange, mich selbst zu sehr zu beschränken. Da kann man was gegen tun und das ist doch schon mal erfreulich!