Meine Strategien mit Multipler Sklerose gut zu leben.Meine Strategien

Als MS- Patient muß  man eigene Strategien entwickeln. Ich hatte und habe keine Lust mich ausschließlich vom Verlauf meiner MS und ihrer physischen und psychischen Symptome dominieren zu lassen. Ich sehe mich nicht als optionsloses Opfer meiner labilen Gesundheit. Im Gegenteil sogar, ich bin überzeugt, den Verlauf der MS und ihrer Symptome durch gezielte, regelmäßige Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Auch Ärzten, Ämtern, Skeptikern und eigentlich jedem, begegne ich als selbstbewusster, selbstbestimmer Bürger. Zudem beobachte ich mich und meinen Körper in den verschiedensten Situationen und Phasen. Dazu bedarf es aber einiger Erfahrung, positiver und negativer Art, welche man ja mit zunehmendem Lebensalter sowie so bekommen sollte. Ich habe hier meine persönlichen Strategien zusammengestellt. Die Reihenfolge drückt nicht wirklich etwas über die Priorität der einzelnen Punkte aus. Dieses ist keine statische Liste. Ich bin immer auf der Suche nach Optimierungsoptionen.

Werde zum MS- Experten!

Natürlich habe ich mit dem Empfang meiner Diagnose angefangen, mich über Multiple Sklerose und Neurologische Krankheiten zu informieren. Ich habe unzählige Artikel, Bücher, Forschungsberichte zu allem was die MS betrifft, gelesen. Ich war auf Infoveranstaltungen und Vorträgen der verschiedensten Veranstalter, in diversen neurologischen Krankenhäusern und Rehakliniken, in denen ich die Ärzte, Schwestern, Therapeuten und Ernährungsberater ausgefragt habe. Habe ich eine Frage, suche ich auch eine Antwort, möchte aber auch, wenn ich gefragt werde so kompetent wie möglich antworten können.

Erlerne Achtsamkeit dir selbst gegenüber!

Da Autoimmunkrankheiten, wie MS immer im Zusammenhang mit psychischer Belastung/ Stress stehen, ist es vor allem wichtig Ruhe zu erlernen oder zu bewahren. Panisch und hysterisch trifft man selten gute Entscheidungen. Zudem wird man die Welt um einen herum nicht ändern oder entschleunigen. So bleibt einem nichts anderes übrig, als an sich zu arbeiten, damit man den negativen Einflüssen im Leben gelassener und unbeschadeter entgegen treten kann. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Ich habe durch Yoga und verschiedene Entspannungstechniken, wie z. B. Atemübungen und Meditation gelernt, mir auch innerhalb von kurzer Zeit Gelassenheit und Ruhe zu verschaffen. Das gelingt mir mittlerweile immer besser. Eine sehr gute und empfehlenswerte Methode ist hier Mindful Based  Stress Reduction, kurz MBSR.

Ernähre dich möglichst so gesund, wie möglich!

Jedes überflüssige Kilo muss der Körper zusätzlich tragen, belastet ihn und den Organismus mit allen beteiligten Organen. Man sollte sich nicht zur MS zusätzlich behindern, und Diabetes oder Blutdruckprobleme ranzüchten. Der Bereich Ernährung ist der Bereich, in dem es den meisten besonders schwer fällt, Bewusstsein zu entwickeln und die nötige Disziplin an den Tag zu legen. Man kann aber gerade damit sehr, sehr viel bewirken. Und dass gesunde Ernährung nicht lecker ist und/ oder keinen Genuss zulässt, entbehrt bekanntermaßen auch jeglicher Grundlage.

Gehe regelmäßig zur Physio- und/ oder Ergotherapie!

Sucht euch einen guten, engagierten, Physiotherapeuten oder Therapeutin, welche im neurologischen Bereich versiert ist. Die menschlich Chemie ist auch extrem wichtig. Ihr werdet mit dieser Person wahrscheinlich sehr lange, viel Zeit verbringen. Im Laufe der Zeit schleichen sich durch Fehlhaltung und -Belastung falsche Bewegungsmuster ein. Die gilt es zu eleminieren. Auf Grund von Spastik, Ataxien, Verspannungen und Schmerz wusste ich oft nicht wie weit ich beim Eigentraining gehen konnte. Spezielle Übungen kannte ich auch nicht.  Meine Physiotherapeutin könnte und kann mir helfen. Sie ist für mich eine der wichtigsten Verbündeten im Lauf der Zeit geworden. Zudem bildet sie sich auch regelmäßig umfassend weiter und lässt mich an ihrem Wissen teilhaben.Vielen Dank auch an dieser Stelle dafür, liebe Heidy!!!!!!

psychotherapeutische Beratung, bzw. Unterstützung in der Krankheitsbewältigung

Vom ersten Symptom an, mit dem sich die MS oder eine andere chronische Krankheit bemerkbar macht, tritt natürlich auch eine neue Angst und Unsicherheit über den Istzustand und die Zukunft ein. Zudem bringt so ein Krankheit, erfahrungsgemäss, große, nicht unbedingt gewollte Veränderungen mit sich. Darüber muß man mit jemandem reden. Der Partner und die Freunde sind da nicht unbedingt die Geeignetesten, da sie ja selbst verflochten sind.

Fahre zur Reha!

Am Anfang meiner Krankheit hatte ich gedacht, ich zur Reha, niemals. Nur unter Kranken, den ganzen Tag das Selbstmitleid, das ist nichts für mich. Ich bin dann doch irgendwann zur Reha gefahren und es war gut. Ich war im mehrfach im Quellenhof in Bad Wildbad und in den Schmieder- Kliniken in Konstanz. Beide kann ich nur empfehlen. Dort bekommt man auch durch interessante Vorträge das theoretische Rüstzeug als MS- Patient. Ich kann jedem empfehlen, so einen Aufenthalt als Chance zu sehen mit großartiger, hochprofessioneller Unterstützung, wie man sie zu Hause nicht findet.

Gehe offen mit deiner Krankheit um!

Es ist unangenehm, seine Gebrechen offen zu thematisieren. Es geht auch nur wenige Menschen etwas an, aber man kann nur Verständnis und Unterstützung erfahren, wenn die Leute um einen herum wissen, womit sie es zu tun haben. Ich rede  offen über die MS und nutze die Gelegenheit, die Leute grob aufzuklären. Nutze die Gelegenheit!

Übe konzentriert, sei diszipliniert und fleißig!

Alles Wissen hilft letztendlich nur, wenn man es auch praktisch einsetzt. Es hilft leider auch nicht ausschließlich zu seinen Therapien zu gehen und dann ist gut. Letztendlich hängt der Erfolg von regelmäßigen, richtig ausgeführten Übungen ab, sowohl bei der körperlichen,  als auch bei der  Psychoarbeit und das ein Leben lang!

Sei milde und gut zu deinen Lieben und Freunden, aber auch besonders zu dir selbst!

Das ist eine der wichtigsten aller Strategien. Es ist wirklich niemand schuld daran, dass du MS hast und die Welt dreht sich auch trotzdem weiter. Das ist gut so. Versuche nicht die Welt für dein Schicksal zu bestrafen.  Mit Sicherheit würde dir so mancher aus deinem Umfeld, etwas Gewicht von den Schultern abnehmen. Es geht aber nicht.

Schneide alte belastende Zöpfe ab und mache dich, soweit möglich, frei von den Dingen die Dich belasten!

Wie zum Beispiel, belastende, auslaugende Beziehungen sind krankmachend. Ich glaube fast jederMensch führt solche Beziehungen, bei denen man sich fragt: Was hab ich denn wirklich davon? 

Krankheit ist auch oft eine Chance etwas zu verändern!

Man sollte schon die Signale versuchen zu verstehen,  welche der Körper und die Seele einem durch Krankheit oder Schmerz sendet und anschließend  etwas ändern.

Es ist immer von Vorteil, einen Plan B, C oder D zu haben.  Das Alphabet hat  ja genug Buchstaben für diverse Strategien.